Verlagsgruppe Oetinger

Interview

Andrea Schütze

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?
In der Sekunde, in der die Tür hinter dem letzten Familienmitglied ins Schloss gefallen ist, schnappe ich mir meine beiden Getränkebecher mit je einem Heißgetränk nach Wahl und lege los. Ich schreibe sozusagen immer gegen die Zeit, denn sobald meine Töchter wieder zu Hause sind, brauchen die beiden meine ganze Aufmerksamkeit. Habe ich früher in der Schule eigentlich auch immer so viel erlebt?

Mit welcher Ihrer Figuren haben Sie am meisten gemeinsam?
Zur Weihnachtszeit wünsche ich mir manchmal eine Tafel, wie sie, rumms, Frau Zimpernickel für ihre Weihnachtsregeln hat. Dann würde jeder auf mein Kommando hören und überall herrschte schönste Ordnung. Theoretisch zumindest. Am meisten Mitleid habe ich deswegen auch für Gretas Papa, der ja versucht, ein hochwissenschaftliches Buch zu schreiben. Dass er bei all dem Trubel, den der Kommissar, Gretchen und HuPü verursachen, immer noch nicht über die Widmung hinaus ist, kann ich völlig nachvollziehen.

Wie gut kennen Sie Ihre Figuren? Wissen Sie zum Beispiel, wann sie Geburtstag haben oder was sie am liebsten essen?   
Aber klar: Greta mag keine Gummibärchen, dafür seltsamen Süßkram wie Zungenfärberlutscher und Brausebrocken mit Waldmeistergeschmack, und der Kommissar würde für Würstchen glatt vergessen, dass er ein Beamter ist und kein hundsnormaler Hund. Für den Duft von Erdbeershampoo würde er übrigens noch ganz andere Dinge tun, aber das ist eine andere Geschichte.

Geburtstag? Kein Problem: 17. Dezember der Kommissar, 5. März Greta, 13. November die Zwillinge. Kriegen sie etwa von euch Geschenke? He, Leute, gute Nachrichten, Dressler will euch zum Geburtstag was schicken ...

Welche Bücher haben Sie als Kind gern gelesen?
Den Bestand der evangelischen und katholischen Stadtbibliothek rauf und runter. Erst die Kinderabteilung, dann die Erwachsenenbücher. Höher hätte die Bibliothekarin die Augenbrauen nicht ziehen können, als ich mir mit zehn "Der weiße Hai" ausgeliehen habe; das stand übrigens in der katholischen Bücherei.

Welche Bücher lesen Sie heute gerne?
Querbeet. Am deutlichsten wird das hier: www.andrea-schuetze.de/Wasichlese


Waren Sie gut in Deutsch?
In der Praxis ja, in der Theorie nein. Als Beispiel: Es gab da diese Grammatikarbeit in der sechsten Klasse. Ich hatte keinen einzigen Fehler. Aber dafür habe ich den gesamten Stoff unmittelbar nach Abgabe des Heftes komplett wieder vergessen. Akkusanom, Genidat, Nominadingens oder wie dieses Zeug heißt ...

Würden Sie gerne einen Tag mit Greta verbringen? Was würden Sie zusammen unternehmen?
Das wäre wunderbar. Ich würde mich als Herr Herrmann verkleiden und Greta als Frau Herrmann (mit Klobanten), und dann würden wir zusammen mit dem Kommissar weinende Pillopillipoos trösten, Lukas auf eine geheime Efbiai-Fährte schicken, ein bisschen mit dem lieben Herrn Jesus plaudern und uns mit einer Riesentüte frischem, duftendem Popcorn vor das Kommunale Kino stellen (um uns schadenfroh vor Lachen wegzuwerfen, wenn wir von all den hungrigen Kinogängern gefragt werden, wo man das denn hier kaufen kann!).

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, ein Buch zu diesem Thema zu schreiben?
Sich zu verkleiden ist einfach herrlich. Einfach einmal jemand ganz anderer sein. Sich selbst auszuprobieren, in andere Rollen zu schlüpfen, unbekannte Wege zu gehen. Als Kind einen Blick in die Welt der Erwachsenen zu werfen, aus dem Rahmen zu fallen, einen eigenen Standpunkt zu vertreten. All das kann Greta, wenn sie sich in ihre Verkleidekammer zurückzieht und als jemand anderer wieder auftaucht. Sie läuft mit diesem speziellen Kinderblick durch die Welt, der festgefahrene Normen und Wertvorstellungen frech hinterfragt und uminterpretiert. Diese Zeit im Leben eines Kindes ist ein Fenster, das nur sehr kurz geöffnet ist. Diese kostbare Zeit soll Greta (und mit ihr die kleinen Leser) mit allen Sinnen und von ganzem Herzen genießen. Deshalb habe ich sie erfunden.

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