Verlagsgruppe Oetinger

Interview

Markus Stromiedel


Mit welcher Ihrer Figuren haben Sie am meisten gemeinsam?
Simon, die Hauptfigur aus meinem neuen Buch "Der Torwächter", hat ganz viel von mir. So wie er war auch ich als Kind nicht der Mutigste, und ein bisschen unsicher war ich auch (auch wenn ich das hinter meiner großen Klappe immer ganz gut versteckt habe). Aber dann ist Simon auch wieder ganz anders ... Denn eigentlich ist er ja ziemlich mutig, nur merkt man das am Anfang nicht. Simon hätte ich früher gerne als Freund gehabt. Wahrscheinlich habe ich ihn mir deshalb ausgedacht. 

Wie gut kennen Sie Ihre Figuren? Wissen Sie zum Beispiel, wann sie Geburtstag haben oder was sie am liebsten essen?

Ganz ehrlich, ich lerne meine Figuren beim Schreiben kennen. Ich denke mir die Handlung aus und weiß ungefähr, was an welcher Stelle passieren wird, und dann setze ich meine Hauptfigur an den Anfang der Geschichte und lasse sie loslaufen. Und immer, wenn meine Figur in eine neue Situation kommt, überlege ich, wie sie sich wohl verhalten würde ... So entwickeln sich meine Figuren nach und nach, und mit der Zeit lerne ich sie immer genauer kennen. Da ich jetzt, nach dem ersten Torwächter-Band, noch dabei bin, die nächsten Torwächter-Bücher zu schreiben, bin ich immer noch dabei, meine Figuren kennenzulernen. Das ist sehr spannend und macht mir unglaublich viel Spaß! Geschichten schreiben ist ohnehin die tollste Sache der Welt.

Würden Sie gerne einen Tag mit Simon, der Hauptfigur Ihres neuen Romans "Der Torwächter", verbringen? Was würden Sie zusammen unternehmen?
Na klar, sofort! Obwohl, ein bisschen ängstlich wäre ich schon, dass Simon sauer auf mich ist. Immerhin stürze ich ihn in ein ganz schön heftiges Abenteuer. Aber wenn er mir dann erst mal den Kopf gewaschen hat, dann würde ich gerne mit ihm durch seine Welt gehen, und er zeigt mir alles, was ich mir ausgedacht habe. Wow, das wäre spannend ...

Wie sind Sie auf die Idee gekommen ein Buch zu diesem Thema zu schreiben?
Ich habe schon als Kind davon geträumt, irgendwann mal eine Tür aufzumachen, hindurchzugehen und in einer fremden Welt zu sein. Das fände ich immer noch wahnsinnig aufregend. Aber eine solche Tür habe ich nirgendwo gefunden ... außer beim Schreiben: Da tauche ich in jede Welt ein, auf die ich Lust habe – ich brauche sie mir einfach nur ausdenken. Und die Welt von Simon hat mich fasziniert. Ich bin selbst sehr gespannt, was alles noch passieren und was er noch entdecken wird.

Welches Buch haben Sie als Kind gern gelesen?
Eines der ersten Bücher, das mich tief beeindruckt hat, war „Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer“ und natürlich auch „Jim Knopf und die Wilde 13“, die beiden Bücher gehören ja zusammen. Finde ich heute noch toll. Aber auch Michael Endes „Unendliche Geschichte“ fand ich wahnsinnig aufregend – klar, da geht ja auch ein Junge in fremde Welten hinein, das war perfekt für mich. Ansonsten habe ich fast alles gelesen, was ich in die Hände bekommen habe. Abenteuerlich musste es sein! Karl May, Robert Louis Stevenson, Alexandre Dumas, das waren meine Geschichten, aber auch Reihen wie „Die drei ???“, auch wenn die Bibliothekarin immer das Gesicht verzogen hat, wenn ich die mitgenommen habe. Später habe ich dann viel Science-Fiction gelesen: Aldous Huxley, George Orwell, Herbert W. Franke. Da war ich dann aber schon älter.

Sie schreiben Bücher für Kinder und Erwachsene sowie Drehbücher. Was machten Ihnen am meisten Spaß?
Das kann ich nicht sagen, beides ist schön! Ich schreibe total gerne Drehbücher, weil ich mir die Geschichte in Bildern vorstelle und dann am Ende mein Buch tatsächlich zu richtigen Bildern wird. Ich liebe das. Ich sehe mir auch selbst gerne Filme an, natürlich am liebsten spannende Geschichten, Abenteuer, fremde Welten, man will ja eigentlich immer das Gleiche sehen oder lesen, in immer abgewandelter Weise. Ich träume übrigens davon, irgendwann mal selbst einen Film als Regisseur zu gestalten. Aber das Schreiben von Romanen ist auch toll, weil ich mir hier viel größere Bilder ausdenken kann als für das Fernsehen. Dort ist es z.B. schon ein Problem, wenn es in einer Szene regnen soll – das ist viel zu teuer und viel zu aufwändig. Im Buch ist das egal, da kann alles passieren, niemand verbietet mir etwas. Das habe ich im „Torwächter“ so richtig schön ausgekostet! Hmm, wenn ich so darüber nachdenke: Romane schreiben ist schöner!

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